Mittelaltergruppe: Via Vendetta cum gaudio





Die Sachsen



Wenn wir erzählen, dass wir Sachsen darstellen, ernten wir oft Kommentare wie: „Ach, ich dachte, ihr kommt aus dem Münsterland?!“ Dabei hat das historische Volk der Sachsen nicht direkt etwas mit dem heutigen Bundesland zu tun. Der sächsische Kaiser Otto III. gründete 965 die Mark Meißen, die allerdings erst im Jahr 1423 in „Sachsen“ umbenannt wurde.
Der Name bezeichnet viel mehr einen germanischen Stamm, der in den ersten Jahrhunderten nach Christus weite Teile des heutigen Norddeutschlands und den Niederlanden besiedelte – unter anderem auch das Münsterland. Darum haben wir uns zur Sachsendarstellung entschlossen – denn die Sachsen sind gewissermaßen unsere Ahnen.
Die große Volksgruppe der Sachsen kann wiederum in Teilstämme unterteilt werden. Der Name für die Sachsen, die zwischen Rhein und Weser lebten, ist uns heute noch erhalten geblieben: Die Westfalen, was so viel wie „Westsachsen“ bedeutet und aus der Zeit Karls des Großen überliefert ist. In der jüngeren Forschung ist man sich des Zusammenhangs zwischen Westfalen und Sachsen übrigens nicht mehr so sicher – aber das mag jeder Interessierte in der einschlägigen Literatur nachlesen.

Woher die Stammesbezeichnung kommt, ist nicht genau geklärt. Einige Forscher sind der Ansicht, er könnte sich von dem typischen langen Messer, dem Sax, ableiten; aber auch ein Gott Saxnot wird in den Quellen erwähnt und könnte Namensgeber gewesen sein.
Die Sachsen sind jedoch einwandfrei als die Vorfahren der heutigen Engländer zu identifizieren. Im 5. Jahrhundert wanderten Teile der Angeln, Jüten und Sachsen in das heutige England ein. Noch heute nennen wir die Inselbewohner auch Angelsachsen.
Die auf dem Festland verbliebenen Stammesmitglieder wurden von der Völkerwanderung kaum berührt und bewahrten sich ihre etablierten Strukturen bis zur Unterwerfung durch Karl den Großen. Sie hatten keinen König und regelten ihre politischen Angelegenheiten auf der Versammlung aller freien Männer, dem Thing. Adelige konnten allerdings bei Kriegszügen eine Führerrolle übernehmen. Ab dem Jahr 772 versuchte Karl der Große (auch mit Gewalt), die Sachen zu christianisieren und zu unterwerfen. Der insgesamt über 30 Jahre andauernde Prozess ging unter dem Begriff „Sachsenkriege“ in die Geschichte ein. Mit der berühmten Taufe Widukinds im Jahre 785 war die Christianisierung zwar eingeleitet, aber keinesfalls abgeschlossen. Obwohl 804 die Gebiete der Sachsen offiziell zum Reich Karls des Großen gehören, ist davon auszugehen, dass die Christianisierung erst Jahrhunderte später wirklich abgeschlossen wurde.

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