Mittelaltergruppe: Via Vendetta cum gaudio





Das frühe Mittelalter



Die Epoche, die wir heute gemeinhin unter dem Begriff „Mittelalter“ kennen, umfasst eine lange Zeit: In der Regel setzt man sie von ca. 500 n. Chr. bis ca. 1500 an – das sind also rund 1.000 Jahre zwischen Antike und Früher Neuzeit. Dieser große Zeitraum war Schauplatz vieler Veränderungen, so dass es oft kaum möglich ist, etwas allgemeines über das Mittelalter zu sagen. Um dennoch ungefähr zu wissen, worüber man redet, hat man das Mittelalter in drei zeitliche Unterabschnitte eingeteilt: Früh-, Hoch-, und Spätmittelalter. Das frühe Mittelalter umfasst dabei die Zeit von ca. 500 – ca. 1050. Unsere Sachsendarstellung liegt also im Bereich des Frühmittelalters. Da diese Zeitspanne am weitesten zurückliegt und sich darum nicht sehr viele Quellen erhalten haben, weiß man über sie am wenigsten.

Das Ende der Antike wird gemeinhin mit dem Untergang des weströmischen Reiches im Jahr 476 angegeben. Die daraufhin gegründeten Herrschaften der einzelnen Stämme hatten in der Regel nur kurz Bestand. Eine Ausnahme bildet das Frankenreich, dass im gesamten Zeitraum groß und mächtig blieb und sich erst nach vielen Jahrhunderten in ein Westfrankenreich (aus dem das heutige Frankreich entstand) und ein Ostfrankenreich (der Vorfahre des heutigen Deutschlands) aufteilte.
Bereits im Frühmittelalter finden wir in weiten Teilen Europas die für das Mittelalter so typische ständische Gesellschaft vor: Es gab freie und unfreie Menschen. Adelige besaßen gewisse Privilegien und der König stand als Regent an der Spitze der Gesellschaft. Das Königtum wurde erblich und den Adelsgeschlechtern gelang es so, ihre Herrschaftsansprüche langfristig zu sichern. In dieser Praxis mischten sich die Überreste der römischen Kultur mit den Bräuchen der einzelnen Stämme. Bekannte Herrschergeschlechter des Frühmittelalters sind die Karolinger und die Ottonen.
Der Erhalt der Stammesstrukturen mit fürstlichen Herrschaften wie bei den Sachsen bildete die Ausnahme.

Mittelalterliche Waffen

Frühmittelalterliche Bewaffnung: Spatha, Sax, Franziska, Spangenhelm, Lanzenspitze und Schildbuckel (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg)



Leben im Frühmittelalter



Im Verlauf des Frühmittelalters setzte sich das Christentum überall durch und verdrängte die bis dahin üblichen Kulte.

Die Menschen (auch Adelige) lebten größtenteils in Gehöften aus Holz, die durch einen Zaun begrenzt waren. Je nach Zeit und Ort lassen sich verschiedene Gebäudetypen unterscheiden.

Die Unterschiede zwischen den Ständen waren an der Kleidung deutlich sichtbar. Die Kleidung war (so man sich nicht kostbare Stoffe wie Brokat leisten konnte) einfach, und wurde meist aus ungefärbter Wolle oder Leinen hergestellt. Als eventuelles Färbemittel dienten Pflanzenauszüge. Menschen von hohem Stand verzierten ihre Kleidung zusätzlich mit Goldfäden oder Perlen. Menschen der unteren Schichten liefen barfuß, Höhergestellte verfügten zumindest über Halbschuhe.

Die Menschen im frühen Mittelalter aßen vor allem Obst und Gemüse – allerdings nicht alle uns heute bekannten Sorten, da viele davon (Tomaten, Paprika, Kartoffeln und Co.) erst durch die Entdeckerfahrten der frühen Neuzeit nach Europa gelangten. Linsen, Erbsen, Bohnen, Kohl und Getreide bildeten wohl den Hauptbestandteil der Nahrung. Obst wurde selbst angebaut oder gesammelt. Bekannt waren unter anderem Birnen, Äpfel und Weintrauben, aber auch viele Beerenarten.
Natürlich wurde auch Fleisch verzehrt, wobei Tiere lebendig wertvoller waren als tot, denn Kühe gaben Milch, Schafe Wolle und Rinder zogen den Pflug. Es ist wahrscheinlich, dass Tiere vor allem vor dem Winter geschlachtet wurden, wenn sie zu alt waren, um noch nützlich zu sein oder die Vorräte nicht reichten, um alle Tiere die dunkle Jahreszeit über zu ernähren. Dann wurde allerdings das komplette Tier verwertet – auch Innereien, Knochen und Sehnen dienten als Nahrung bzw. Rohstoff.

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